Ich bin Du | Du bist Er | Er ist Wir | Wir sind Ihr | Ihr seid Sie
In der kommenden Ausstellung der galerie m beck, deren Titel nur die erste
Sequenz des obigen Schriftzuges beinhaltet „Ich bin Du“ spielen die Werke
von Dina Draeger, Christian H. Cordes und Friedrich Siegel eine
Verwechslungspiel in geschlechtlicher und auch grammatischer Hinsicht.
Im Zentrum der Arbeiten von Dina Draeger, geboren 1966, steht der Mensch,
das Ich. Isoliert aus ihrer Umgebung zeigt Dina Draeger Menschen aus
verschiedenen sozialen Schichten in unterschiedlichen Posen und Haltungen.
Grundlage hierfür ist die feinfühlige Beobachtung ihres eigenen Umfeldes,
sei es in Ihrer Wahlheimat der Schweiz oder auch auf Reisen. Die daraus
entstandenen Fotografien nimmt sie als Basis und Grundlage für eine oftmals
überlebensgroße figurative Malerei. Dabei verstärkt die Herauslösung aus dem
Kontext hinein in einen Ort- und Zeitlosen monochromen Farbhintergrund die
Aussage der körperlichen Haltung. So wird in den Arbeiten von Dina Draeger
jener Teil einer Person sichtbar, verdeutlicht, der im gesellschaftlichen
Kontext meist nicht beachtet wird bzw. untergeht die Aura /Ausstrahlung. Das
Wir, die Gesellschaft nimmt also der Einzelperson etwas von ihrer Eigenart,
die Dina Draeger besonders in der Werkgruppe der No Names zur inhaltlichen
Aussage ihrer Werke macht.
Christian Cordes (*1967)übernimmt in der Ausstellung den grammatikalischen
Teil des Verwechslungsspieles. Mit seinen Wort-Arbeiten wie z.B. „Ich Wir
DU“ reduziert er die bildnerische Aussage des Kunstwerkes auf das
Wesentliche und bringt durch seine formale Gestaltung diese auf den Punkt.
Das Spiel mit Worten und deren Bedeutung alleine und im Kontext zu einander,
sei es in Form eines Mobiles, eines Spruchbanners oder als Skulptur, ist
Markenzeichen von Christian H. Cordes. Die Prägungen seines Professors
Jochen Gerz sind dabei noch wahrnehmbar. Anders aber als der Professor an
der HBK Saarbrücken, können die Arbeiten von Christian H. Cordes nicht
eindeutig der Konzeptkunst zu geordnet werden. Cordes ist den Weg von der
Idee / dem Konzept weiter zur eindeutigen Visualisierung gegangen. Einflüsse
von Eugen Gommringer und Heinz Gappmayr, Vertreter der visuellen Poesie (In
dieser seht die Schrift und das Schriftbild im Vordergrund des
künstlerischen Schaffens) sind zu erkennen. Mit der Kombination zwischen der
inhaltlichen Aussage und deren Zweideutigkeit und der gewählten
Gestaltungsform stellt Christian H. Cordes die Verbindung beider Strömungen
der zeitgenössischen Kunst her.
Die Arbeiten von Friedrich Siegel (*1931) sind in der Ausstellung das
Verbindungsstück zwischen den malerischen Arbeiten von Dina Draeger und den
Schriftarbeiten von Christian H. Cordes. Die ausgestellten Grafiken von
Friedrich Siegel spielen alle zwischen Inhalt und Titel auf ein
Verwechslungsspiel, auf eine andere Sicht- und Deutungsweise an. Titel wie
„Das gespannte Dreieck“ oder „Die einzige Kategorie zwischen 17 und 70“
lassen auf den ersten Blick nichts Zweideutiges erahnen. Bei genauerem
Hinsehen erkennt man jedoch die gewollte zweite Bedeutung des Bildinhaltes
im Zusammenhang mit dem Bildtitel. So zeigt die Ausstellung welche
Bedeutungen und Ebenen sich hinter den einfachen drei Wörtern „Ich bin Du“
im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst verbergen können.