galerie m beck  | seit 1967
Dina Drager | Friedrich Siegel | Christian Cordes | ∞
12. Mai - 13. Juli 2012




Ich bin Du | Du bist Er | Er ist Wir | Wir sind Ihr | Ihr seid Sie

In der kommenden Ausstellung der galerie m beck, deren Titel nur die erste Sequenz des obigen Schriftzuges beinhaltet „Ich bin Du“ spielen die Werke von Dina Draeger, Christian H. Cordes und Friedrich Siegel eine Verwechslungspiel in geschlechtlicher und auch grammatischer Hinsicht.
Im Zentrum der Arbeiten von Dina Draeger, geboren 1966, steht der Mensch, das Ich. Isoliert aus ihrer Umgebung zeigt Dina Draeger Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten in unterschiedlichen Posen und Haltungen. Grundlage hierfür ist die feinfühlige Beobachtung ihres eigenen Umfeldes, sei es in Ihrer Wahlheimat der Schweiz oder auch auf Reisen. Die daraus entstandenen Fotografien nimmt sie als Basis und Grundlage für eine oftmals überlebensgroße figurative Malerei. Dabei verstärkt die Herauslösung aus dem Kontext hinein in einen Ort- und Zeitlosen monochromen Farbhintergrund die Aussage der körperlichen Haltung. So wird in den Arbeiten von Dina Draeger jener Teil einer Person sichtbar, verdeutlicht, der im gesellschaftlichen Kontext meist nicht beachtet wird bzw. untergeht die Aura /Ausstrahlung. Das Wir, die Gesellschaft nimmt also der Einzelperson etwas von ihrer Eigenart, die Dina Draeger besonders in der Werkgruppe der No Names zur inhaltlichen Aussage ihrer Werke macht.

Christian Cordes (*1967)übernimmt in der Ausstellung den grammatikalischen Teil des Verwechslungsspieles. Mit seinen Wort-Arbeiten wie z.B. „Ich Wir DU“ reduziert er die bildnerische Aussage des Kunstwerkes auf das Wesentliche und bringt durch seine formale Gestaltung diese auf den Punkt. Das Spiel mit Worten und deren Bedeutung alleine und im Kontext zu einander, sei es in Form eines Mobiles, eines Spruchbanners oder als Skulptur, ist Markenzeichen von Christian H. Cordes. Die Prägungen seines Professors Jochen Gerz sind dabei noch wahrnehmbar. Anders aber als der Professor an der HBK Saarbrücken, können die Arbeiten von Christian H. Cordes nicht eindeutig der Konzeptkunst zu geordnet werden. Cordes ist den Weg von der Idee / dem Konzept weiter zur eindeutigen Visualisierung gegangen. Einflüsse von Eugen Gommringer und Heinz Gappmayr, Vertreter der visuellen Poesie (In dieser seht die Schrift und das Schriftbild im Vordergrund des künstlerischen Schaffens) sind zu erkennen. Mit der Kombination zwischen der inhaltlichen Aussage und deren Zweideutigkeit und der gewählten Gestaltungsform stellt Christian H. Cordes die Verbindung beider Strömungen der zeitgenössischen Kunst her.

Die Arbeiten von Friedrich Siegel (*1931) sind in der Ausstellung das Verbindungsstück zwischen den malerischen Arbeiten von Dina Draeger und den Schriftarbeiten von Christian H. Cordes. Die ausgestellten Grafiken von Friedrich Siegel spielen alle zwischen Inhalt und Titel auf ein Verwechslungsspiel, auf eine andere Sicht- und Deutungsweise an. Titel wie „Das gespannte Dreieck“ oder „Die einzige Kategorie zwischen 17 und 70“ lassen auf den ersten Blick nichts Zweideutiges erahnen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch die gewollte zweite Bedeutung des Bildinhaltes im Zusammenhang mit dem Bildtitel. So zeigt die Ausstellung welche Bedeutungen und Ebenen sich hinter den einfachen drei Wörtern „Ich bin Du“ im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst verbergen können.
© comebeck ltd .ca |